HIFMB Mission und Strategie

Die wichtigsten Prozesse, die die Bewohnbarkeit unseres Planeten sicherstellen, sind eng mit der Vielfalt der terrestrischen und marinen Tier- und Pflanzenwelt der Erde verknüpft, darunter die Sauerstoffproduktion, die Kohlenstoffbindung, der Energietransfer in den Nahrungsnetzen und die Stoffkreisläufe. Um die Reaktion der Artenvielfalt auf die globalen Umweltveränderung und ihre Rolle für Ökosystemfunktionen zu verstehen, bedarf es einer integrativen Forschung, welche grundlegende naturwissenschaftliche Disziplinen (Ökologie, Evolutionsbiologie, Biogeochemie) mit transdisziplinären Herangehensweisen an die Artenvielfalt, Schutzkonzepte und das Management vereint. Unser aktuelles Verständnis von funktioneller mariner Biodiversität erfüllt jedoch nur teilweise die gesellschaftliche Nachfrage nach Vorhersageszenarien Wie und Warum die Artenvielfalt sich auf kurze und lange Sicht verändern wird, wie diese Änderungen marine Ökosysteme und ihre Dienstleistungen beeinflussen werden, und wie sich die Gesellschaft daran anpassen oder die Änderungen lindern kann.
Dieser dringende Bedarf an einer integrativen Forschung über die marine Biodiversität haben das Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) und die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg (UOL) veranlasst,  das Helmholtz-Institut für Funktionelle Marine Biodiversität (HIFMB) zu errichten.

Das HIFMB entwickelt die wissenschaftliche Grundlage für den Meeresschutz und das marine Ökosystemmanagement, indem es die funktionelle Rolle der Artenvielfalt im Ökosystem Meer analysiert und Wissen über die allgemeinen Grundsätze, die diese Rolle beschränken, schafft. Das Institut erzeugt dadurch die notwendigen Kenntnisse und Werkzeuge, um zukünftige Änderungen in der Artenvielfalt und Ökosystemfunktion vorauszusagen und ihre Folgen für das menschliche Wohlbefinden zu analysieren.

Das HIFMB profitiert von der vorhandenen Expertise in den Partnerorganisationen, AWI und UOL, in den Bereichen der molekularen Biodiversität, Biodiversitätserfassung, Wechselwirkungen zwischen den Arten, der räumlichen Ökologie und der Analyse von Polulationsdynamiken. Das HIFMB wird zusätzlich als ein offenes Konsortium konzipiert und wird so von der bestehenden Expertise in den marinen Einrichtungen NW-Deutschlands profitieren (besonders durch Senckenberg am Meer im Bereich der Biodiversitätserfassung (DZMB) und durch das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) in Bremen mit ihrer transdisziplinäre Expertise). Um die Ziele von HIFMB zu erreichen bedarf es zusätzlich einer strategischen Rekrutierung, die die wichtigen Lücken in der internationalen Forschungslandschaft der marinen Biodiversität schließt. Vor allem ist es nötig, eine naturwissenschaftliche Basis für Schutzkonzepte (Marine Conservation) sowie sozialwissenschaftliche Expertise in der Analyse gesellschaftlicher und politischer Prozesse aufzubauen, die zur der Entwicklung von Management-Konzepten führen (Marine Governance). Das HIFMB soll neuartige Konzepte für den Meeresschutz entwickeln, mit einem besonderen Schwerpunkt auf einem theoretischen Regelungsrahmen für den Meeresschutz, welcher sich detailliert mit den spezifischen Eigenschaften von marinen Ökosystemen befasst, zum Beispiel der Dreidimensionalität und der hohen Raum-Zeit-Dynamik des marinen Lebensraums. Hinsichtlich des praktischen Planungsprozesses müssen Modelle für das Abwägen zwischen dem angestrebten Schutz und der Nutzung von Ökosystemdienstleistungen entwickelt werden, die die Ansichten der wesentlichen Interessenvertreter miteinbeziehen. Letzteres ist direkt verbunden mit der Professur Marine Governance, welche die sozio-ökonomischen Dynamiken, die durch die Nutzung bestimmterer Ökosystemdienstleistungen entstehen bzw. auf sie zurückkoppeln, untersucht. Eine neue Gruppe Biodiversity Informatics verfolgt die Integration von "Big Data", der steigenden Menge an verfügbaren biodiversitätsrelevanten Daten, in den Meeresschutz. Die Daten der zahlreich verteilten und heterogenen Quellen zu integrieren ist die zentrale Herausforderung, der sich die Biodiversitätsinformatik stellt. Die Modelle, die die Artenvielfalt einschränkenden Prozesse und die Folgen beschreiben, unterscheiden sich erheblich von Ökosystemmodellen, die die Energie- und Stoffströme und -senken analysieren. Eine Professur Biodiversity Theory wird eine Brücke zwischen diesen Ansätzen schlagen und klassische Modelle der theoretischen Ökologie mit räumlichen, evolutionären und den biogeochemischen Ansätzen verknüpfen.

Wir streben die Berufung von ausgezeichneten internationalen Experten in allen vier Gruppen an, weil diese Professuren wichtige Scharniere zwischen den vorhandenen Forschungsexpertisen in der marinen Biodiversitätsforschung darstellen. Ein derart integrativer Aufwand verlangt einen breiten wissenschaftlichen Hintergrund und Erfahrung in der Führung von Kooperationsforschungsarbeiten.