Das Projekt HUMAN PROGRESS hat das Ziel, die Forschung in den Naturwissenschaften voranzubringen, indem es auf Methoden, Erkenntnisse und Wissen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften zurückgreift. Gleichzeitig bietet es neue Denkrahmen für die Geistes- und Sozialwissenschaften und arbeitet auf eine Form der Interdisziplinarität hin, die in den heutigen Meereswissenschaften essenziell ist, um komplexe Umweltprobleme zu bewältigen. Die im Rahmen dieses Projekts geförderten Postdoktorandinnen und Postdoktoranden werden als Team zusammenarbeiten und dabei mit Expertinnen und Experten aus Kunst, Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften kooperieren. Unser Erfolgskriterium besteht darin, einen nachweisbaren Einfluss auf die naturwissenschaftliche Forschung zu erzielen, indem wir soziale Daten, geisteswissenschaftliche Ansätze und Denkweisen einbeziehen. Auf diesem Weg werden sich alle beteiligten Disziplinen anpassen, ihre Methoden erweitern und bis zu einem gewissen Grad automatisieren müssen, um Wirkung in praktischen Anwendungen zu entfalten und dabei gleichzeitig eine menschliche Perspektive und Denkweise zu bewahren.
Der Titel HUMAN PROGRESS ist bewusst darauf angelegt, kritische Auseinandersetzung anzuregen. Er verbindet das fortschrittsorientierte Denken der Natur- und Ingenieurwissenschaften mit dem Begriff „human“, um zu einer kritischen Reflexion darüber einzuladen, wie Fortschritt erreicht werden kann, der den Menschen berücksichtigt – von der anfänglichen Formulierung von Problemen bis hin zu den Auswirkungen möglicher Lösungen. Dazu gehört auch, sich mit der Bedeutung von Fortschritt auseinanderzusetzen, zu fragen, wem er dient, welche Verwundbarkeiten er hervorbringt und wie diese hinterfragt werden können.
Die Ausschreibung umfasst fünf Postdoc-Stellen:
#1 Words and Power in Marine Biodiversity
Ökologisch und biologisch bedeutsame Meeresgebiete (Ecologically and Biologically Significant Marine Areas, EBSAs) sind potenzielle Meeresschutzgebiete (Marine Protected Areas, MPAs), die zum 30-by-30-Ziel des globalen Biodiversitätsabkommens von Kunming–Montreal beitragen könnten: dem Schutz von 30% der Ozeanfläche bis zum Jahr 2030. Allerdings beziehen sich von diesen potenziellen Schutzgebieten lediglich 28 in ihrem Namen auf Biologie oder biologische Entitäten. Im Vergleich dazu verweisen 97 EBSAs auf Merkmale des Meeresbodens. Was steckt hinter der Benennung dieser Gebiete, und welche Bedeutung hat eine solche Benennung? Welche Narrative und Vorstellungen werden dadurch hervorgebracht, und was bedeuten sie für den potenziellen Schutz der Meere? Diese Fragen stehen im Zentrum dieses Projekts, das die Benennung von EBSAs analysieren möchte, da diese zunehmend zu einem wichtigen Aspekt der zukünftigen Planung von Meeresschutzgebieten wird.
Ein solches Vorhaben erfordert Erkenntnisse aus mehreren Disziplinen, um zu verstehen, wie diese Bezeichnungen – also Namen für geografische Zonen des Ozeans – entstanden sind. Das Projekt bringt Linguistik, Geographie, Mikrobielle Ökologie und Komplexitätstheorie zusammen, um aus unterschiedlichen Ansätzen neue Einsichten in die Benennungspraxis und ihre Bedeutung für den Meeresschutz zu gewinnen. Namen machen bestimmte Perspektiven und Machtverhältnisse zum Zeitpunkt ihrer Vergabe sichtbar, sie konsolidieren jedoch auch entstehende Forschungsfelder, prägen Erwartungen und setzen Agenden.
Ziel dieses Projekts ist die Veröffentlichung einer sorgfältigen linguistischen Analyse der EBSA-Namen, die auf die den Namen zugrunde liegenden Denk- und Begründungsmuster aufmerksam macht. Das übergeordnete Ziel des Projekts besteht darin, ein tieferes Verständnis für den Lebenszyklus wissenschaftlicher Begriffe zu gewinnen: wie sie entstehen, sich verbreiten und wieder an Bedeutung verlieren, wie sie in die Alltagssprache übergehen, öffentliche Diskurse beeinflussen und letztlich Wissenschaft und Gesellschaft prägen.
Vollständige Stellenbeschreibung
Die in die engere Auswahl kommenden Kandidatinnen und Kandidaten für diese Stelle werden eingeladen, ihre Arbeit im Rahmen eines Symposiums vorzustellen, das voraussichtlich am 20. und 21. August in Oldenburg stattfinden wird.
Qualifikationen
Wir suchen eine interdisziplinär arbeitende Wissenschaftlerin bzw. einen interdisziplinär arbeitenden Wissenschaftler mit Erfahrung, beispielsweise in einer sozialwissenschaftlichen Disziplin wie Humangeographie, Anthropologie oder Linguistik. Idealerweise verfügen Bewerberinnen und Bewerber über Erfahrung in der automatisierten Verarbeitung textueller Daten mithilfe moderner computergestützter Methoden oder bringen die Bereitschaft mit, ihre Kenntnisse in diesem Bereich weiter auszubauen.
Überblick über die Principal Investigators
Kristian Berg ist Computerlinguist und Professor für Germanistische Linguistik an der Universität Oldenburg. Seine Forschung beschäftigt sich mit der Entstehung neuer Wörter sowie mit den Prozessen, durch die sich einige dieser Wörter in Sprachgemeinschaften verbreiten, während andere nur eine kurze Lebensdauer haben.
A. Murat Eren ist Informatiker und Mikrobieller Ökologe. Er leitet die Ecosystem Data Science Group am HIFMB. Gemeinsam mit seiner Arbeitsgruppe entwickelt er Open-Source-Software für die integrierte Analyse und Visualisierung komplexer Omics-Daten. Darüber hinaus untersucht die Gruppe, wie Mikroorganismen auf sich ständig verändernde Umweltbedingungen reagieren.
Kimberley Peters ist Geographin und leitet die Marine Governance Group am HIFMB, eine von zwei sozialwissenschaftlichen Forschungsgruppen des Instituts. Ihr Forschungsinteresse gilt den Logiken und Annahmen, die Governance-Prozessen zugrunde liegen. Insbesondere untersucht sie, wie räumliche Konzepte – etwa Territorien und Grenzen – als Instrumente der Steuerung und Regulierung genutzt werden, beispielsweise im Kontext von Meeresschutzgebieten (MPAs).
Thilo Gross ist Netzwerk- und Komplexitätswissenschaftler sowie Professor für Biodiversitätstheorie am HIFMB. Er prägte den Begriff der „adaptiven Netzwerke“, aus dem sich ein eigenständiges Forschungsfeld innerhalb der Netzwerkforschung entwickelt hat. Darüber hinaus ist er Vizepräsident von NetSci, der internationalen Fachgesellschaft für Netzwerkforschung, sowie Senator der University of Oldenburg.
#2 Historical Observations of the Marine Environment
Die Umweltforschung – insbesondere die Klimawandelforschung – hat von der Analyse großer Datenquellen profitiert, die sich auf strukturierte Daten konzentrieren, etwa Tabellen kuratierter Beobachtungen aus ökologischen Zeitreihenstationen oder Expeditionen. Dennoch besteht weiterhin eine erhebliche Wissenslücke hinsichtlich der Reaktion der Biodiversität auf den Klimawandel, da die verfügbaren Daten entweder vergleichsweise jung sind (z. B. einige Jahrzehnte umfassen) oder aus dem Fossilbericht stammen (der Millionen von Jahren umfasst, jedoch Lücken von Hunderttausenden von Jahren aufweist). Daten, die den für den Klimawandel relevanten Zeitraum abdecken, sind daher nach wie vor rar. Gleichzeitig bleibt ein großer Bestand weniger strukturierter Daten, der mehrere Jahrhunderte umfasst, bislang weitgehend ungenutzt. Diese Daten liegen in Form historischer Quellen vor, sowohl als schriftliche Dokumente als auch als Bilder, Zeichnungen und Objekte, ebenso wie als kollektive Erinnerungen und Wissensbestände einschließlich indigenen Wissens. Eine naheliegende nächste Herausforderung besteht daher darin, diese Quellen durch groß angelegte computergestützte Analysen nutzbar zu machen. Diese Arbeit kann von jüngsten Fortschritten in der Handschriftenerkennung, Spracherkennung, bei Large Language Models und der 3D-Analyse profitieren. Allerdings fehlen bislang weitere Schritte in der Wissensgenerierungskette, insbesondere die computergestützte Systematisierung und Kanonisierung von Daten. Für Daten bietet sich mit Wissensgraphen eine natürliche Zwischenform zwischen strukturierter und unstrukturierter Repräsentation an. Dabei handelt es sich um Netzwerke, in denen Dateneinheiten wie Personen, Orte oder Objekte durch Knoten dargestellt werden, während ihre Beziehungen durch Verbindungen zwischen diesen Knoten kodiert werden. Wissensgraphen haben in der Netzwerkforschung bislang nur begrenzte Aufmerksamkeit erhalten, was unter anderem auf die oftmals komplexe Vielfalt ihrer Entstehungsmechanismen zurückzuführen ist. Da bei der Aggregation von Wissensgraphen komplexe Strukturen entstehen, ist die Entwicklung neuer Analysemethoden erforderlich, die sowohl von der Netzwerkforschung als auch von etablierten nicht-computergestützten Arbeits- und Analysemethoden der Geschichtswissenschaft inspiriert werden können. Eine zentrale Herausforderung für die Interpretation computergestützter Systematisierungen historischer Quellen und der durch Wissensgraphen erzeugten Daten wird die Zuschreibung von Bedeutung sein, die von einer Reihe von Faktoren wie Perspektive, kulturellen Unterschieden oder sozialen Praktiken abhängt.
Ein erstes Ziel dieses Projekts besteht darin, das Potenzial von Wissensgraphen für die Analyse weniger strukturierter Daten in einem Perspektivenpapier herauszuarbeiten, das sich sowohl mit den Möglichkeiten von Wissensgraphen als auch mit den Herausforderungen einer multiperspektivischen sowie raum-, zeit- und akteursbezogenen historischen Analyse beschäftigen wird. Dieses Potenzial kann veranschaulicht werden, indem etablierte Netzwerkmetriken auf bestehende Wissensgraphen angewendet und anhand von Anwendungsfällen aus der historischen Klimaforschung getestet werden. Mittelfristig besteht unser Ziel darin, neue Wissensgraphen aus textuellen und materiellen Quellen wie dem Prize Papers-Datensatz zu erstellen, neue netzwerkwissenschaftliche Werkzeuge zur Informationsgewinnung aus diesen Wissensgraphen unter Rückgriff auf Erkenntnisse der Geschichtswissenschaft zu entwickeln und schließlich mithilfe dieser Methoden neue Einsichten in die historische Biodiversität zu gewinnen.
Vollständige Stellenbeschreibung
Die Vorstellungsgespräche mit den in die engere Auswahl kommenden Kandidatinnen und Kandidaten sollen voraussichtlich am 14. September 2026 online stattfinden.
Qualifikationen
Wir suchen eine interdisziplinär arbeitende Wissenschaftlerin bzw. einen interdisziplinär arbeitenden Wissenschaftler mit Erfahrung in der Geschichtswissenschaft – insbesondere in der Analyse historischer Quellen des 17. bis frühen 19. Jahrhunderts –, der Informationswissenschaft mit Schwerpunkt auf der großskaligen Verarbeitung kultureller Informationen oder verwandten Fachgebieten. Idealerweise verfügen Bewerberinnen und Bewerber über fundierte Kenntnisse in mindestens einem dieser Bereiche, die Bereitschaft, sich in die anderen Themenfelder einzuarbeiten, sowie ein ausgeprägtes Interesse an teamorientierter, multidisziplinärer Forschung und an der Erzeugung, kritischen Reflexion und Darstellung von Wissen.
Überblick über die Principal Investigators
Dagmar Freist ist Professorin an der Universität Oldenburg mit den Forschungsschwerpunkten Frühe Neuzeit, Globalgeschichte und Digital Humanities. Sie leitet mehrere multidisziplinäre Forschungsprojekte, die geisteswissenschaftliche Methoden mit Data Science, Geoinformatik und 3D-Analysen verbinden. Zudem ist sie Direktorin des internationalen Langzeitprojekts Prize Papers, das Teil des Akademienprogramms ist.
Thilo Gross ist Netzwerk- und Komplexitätswissenschaftler sowie Professor für Biodiversitätstheorie am HIFMB. Er prägte den Begriff der „adaptiven Netzwerke“, aus dem sich ein eigenständiges Forschungsfeld innerhalb der Netzwerkforschung entwickelt hat. Darüber hinaus ist er Vizepräsident der internationalen Netzwerkforschungsgesellschaft NetSci und Senator der Universität Oldenburg.
Helmut Hillebrand ist empirischer Biodiversitätsforscher und Professor für Planktonökologie an der Universität Oldenburg. Er untersucht Veränderungen der Biodiversität in sich rasch wandelnden Umweltbedingungen anhand von Monitoring-Zeitreihen. Sein besonderes Interesse in diesem Projekt liegt darin, Möglichkeiten zu entwickeln, den zeitlichen Horizont für Rückschlüsse auf historische Biodiversität zu erweitern.
Maximilian Schich ist multidisziplinärer Wissenschaftler und Professor für Cultural Data Analytics an der Universität Tallinn. Seine Forschung verbindet Kunstgeschichte, Netzwerkforschung, Computational Social Science und quantitative Ästhetik.
#3 (Re-)examining Modelling
Eines der drängenden gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit ist der Vertrauensverlust in die Wissenschaft, der sich insbesondere im Bereich der Modellierung zeigt. Um diesem Vertrauensverlust zu begegnen, müssen wir seine Ursachen verstehen. Gegenwärtig sind mathematische Modelle meist Black Boxes, die nur von wenigen Expertinnen und Experten verstanden werden. Andere sind nicht in der Lage, diese Modelle sinnvoll zu hinterfragen, und befinden sich daher in einer Situation, in der die einzigen scheinbaren Optionen darin bestehen, die Modelle und ihre Implikationen entweder zu akzeptieren oder abzulehnen. Modelliererinnen und Modellierer sind sich bewusst, dass Modellierung zwangsläufig Vereinfachungen beinhaltet, für die es durchaus Alternativen gibt. Die getroffenen Entscheidungen spiegeln daher die Ideen, Erfahrungen, Wertevorstellungen und Arbeitskontexte der Modellierenden wider und können entsprechend hinterfragt werden. Tatsächlich entsteht wissenschaftliche Erkenntnis in hohem Maße dadurch, dass Annahmen kritisch hinterfragt werden können. Allerdings ist nur eine kleine Gruppe von Modellierenden – und nahezu keine Person außerhalb der Fachwelt – mit dieser Möglichkeit vertraut, durch kritisches Hinterfragen Fortschritt zu erzielen. Modellierung sollte daher darauf abzielen, einen sinnvollen Dialog zu schaffen, der es einem breiteren Personenkreis ermöglicht, Modelle und Modellierungspraktiken zu hinterfragen, ohne deren mathematische Grundlagen verstehen zu müssen. Wir sind überzeugt, dass ein solcher Dialog durch ein philosophisches Verständnis davon ermöglicht werden kann, wie Modelle Erkenntnisse hervorbringen, und durch die direkte und offene Kommunikation dieser Erkenntnispfade.
Ein erstes Ziel dieses Projekts besteht darin, auf die gesellschaftliche Notwendigkeit einer philosophischen Neubetrachtung der Wissensproduktion in der Modellierung aufmerksam zu machen. Mittelfristig werden wir anhand von Fallstudien untersuchen, wie Modelle Erkenntnisse erzeugen, und darauf aufbauend ein konzeptionelles Instrumentarium entwickeln, das Menschen dabei unterstützt, den Prozess der Wissensproduktion in der Modellierung zu verstehen und zu diskutieren, ohne die zugrunde liegende Mathematik verstehen zu müssen – insbesondere im Bereich der Biodiversitätsforschung.
Vollständige Stellenbeschreibung
Die in die engere Auswahl kommenden Kandidatinnen und Kandidaten für diese Stelle werden eingeladen, ihre Arbeit im Rahmen eines Symposiums vorzustellen, das voraussichtlich am 20. und 21. August in Oldenburg stattfinden wird.
Qualifikationen
Wir suchen eine interdisziplinär arbeitende Wissenschaftlerin bzw. einen interdisziplinär arbeitenden Wissenschaftler mit Erfahrung in der Philosophie, den Science and Technology Studies, den Sozialwissenschaften oder einem anderen relevanten Forschungsbereich sowie mit Interesse an den Grundlagen und der Praxis mathematischer Modellierung.
Überblick über die Principal Investigators
Rossella Alba ist Juniorprofessorin für Marine Policy and Management am HIFMB. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehört unter anderem die politische Dimension von Modellierung im Bereich der Wassergovernance. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen entwickelte sie den Ansatz des Situated Modelling, ein Konzept zur Förderung reflexiver und kollaborativer Modellierungsansätze für Mensch-Umwelt-Beziehungen.
Thilo Gross ist Netzwerk- und Komplexitätswissenschaftler sowie Professor für Biodiversitätstheorie am HIFMB. Er prägte den Begriff der „adaptiven Netzwerke“, aus dem sich ein eigenständiges Forschungsfeld innerhalb der Netzwerkforschung entwickelt hat. Darüber hinaus ist er Vizepräsident der internationalen Netzwerkforschungsgesellschaft NetSci und Senator der Universität Oldenburg.
Mark Siebel ist Professor für Theoretische Philosophie an der Universität Oldenburg. Zu seinen zentralen Forschungsgebieten zählen Erkenntnistheorie, Wissenschaftsphilosophie und Sprachphilosophie. Dabei nutzt er auch logische und mathematische Methoden. Er war viele Jahre im Vorstand der Gesellschaft für Analytische Philosophie aktiv und gehört seit 13 Jahren dem Dekanat der Fakultät für Geistes- und Gesellschaftswissenschaften an.
#4 Human Decisions in Environmental Systems
In mathematischen Modellen werden ökologische Systeme häufig so dargestellt, als gäbe es keine Menschen. So berücksichtigen beispielsweise die meisten veröffentlichten ökologischen Nahrungsnetze den Menschen überhaupt nicht. Gleichzeitig gibt es heute kaum noch ein Ökosystem auf der Erde, das nicht in erheblichem Maße durch menschliche Aktivitäten beeinflusst wird. Werden Menschen in Modelle integriert, etwa im Rahmen sozial-ökologischer Systemmodelle, werden sie häufig lediglich als zusätzliche Räuber betrachtet – die Fischereiwirtschaft erscheint dann modelltechnisch kaum anders als ein Hai. Eine solche Darstellung blendet jedoch umfangreiches Wissen über menschliches Verhalten und menschliche Entscheidungsprozesse aus, darunter psychologische, soziale, politische und ökonomische Aspekte. Die Berücksichtigung dieser zusätzlichen Dimensionen und ihre angemessene Integration in Modelle haben das Potenzial, unsere Perspektive auf ökologische Dynamiken grundlegend zu verändern.
Ein erstes Ziel dieses Projekts besteht darin, die unterschiedlichen Ansätze zur Modellierung menschlicher Entscheidungsprozesse in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen systematisch zu untersuchen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Vergleich anderer disziplinärer Traditionen mit der Art und Weise, wie Menschen in der ökologischen Modellierung dargestellt werden. Mittelfristig wollen wir neue und bessere Ansätze entwickeln, um menschliches Verhalten in ökologische Modelle einzubeziehen. Dabei konzentrieren wir uns auf Fallstudien aus Bereichen wie dem Wassermanagement oder der Offshore-Windenergie. Besonderes Interesse gilt Entscheidungen, die in Situationen getroffen werden, in denen sowohl qualitative als auch quantitative Informationen zur Verfügung stehen.
Vollständige Stellenbeschreibung
Die in die engere Auswahl kommenden Kandidatinnen und Kandidaten für diese Stelle werden eingeladen, ihre Arbeit im Rahmen eines Symposiums vorzustellen, das voraussichtlich am 20. und 21. August in Oldenburg stattfinden wird.
Qualifikationen
Wir suchen eine interdisziplinär arbeitende Wissenschaftlerin bzw. einen interdisziplinär arbeitenden Wissenschaftler mit Erfahrung, beispielsweise in den Bereichen Computational Social Science, Sozialpsychologie, mathematische Modellierung oder Umweltökonomie. Idealerweise verfügen Bewerberinnen und Bewerber über Erfahrung in mindestens einem dieser Bereiche sowie die Bereitschaft, sich in die jeweils anderen Themenfelder einzuarbeiten. Darüber hinaus setzen wir ein allgemeines Interesse an Nachhaltigkeitsfragen voraus.
Von Vorteil sind fundierte Kenntnisse quantitativer Methoden (zum Beispiel: casual inference, machine learning, simulation).
Überblick über die Principal Investigators
Thilo Gross ist Netzwerk- und Komplexitätswissenschaftler sowie Professor für Biodiversitätstheorie am HIFMB. Er prägte den Begriff der „adaptiven Netzwerke“, aus dem sich ein eigenständiges Forschungsfeld innerhalb der Netzwerkforschung entwickelt hat. Darüber hinaus ist er Vizepräsident der internationalen Netzwerkforschungsgesellschaft NetSci und Senator der Universität Oldenburg.
Barbara Moschner ist Psychologin an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Ihre aktuelle Forschung konzentriert sich auf die Positive Psychologie. Darüber hinaus ist sie für ihre Arbeiten zu Lernen, Motivation und den Ursachen rechtsextremer beziehungsweise autoritärer Einstellungen bekannt.
Marius Sältzer ist Computational Social Scientist und Juniorprofessor für Digital Social Science an der Universität Oldenburg. Seine Forschung befasst sich mit der Anpassung und Anwendung von Methoden und Datenquellen aus der Informatik zur Beantwortung sozialwissenschaftlicher Fragestellungen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf dem Verständnis politischer Kommunikation.
#5 Science Narratives
Selbst in der abstrakten Mathematik bestehen die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung aus Publikationen, die für Menschen lesbare Narrative präsentieren. In den Umweltwissenschaften scheinen neue Narrative vergleichsweise selten zu entstehen und vor allem durch agenda-setzende Beiträge in führenden Fachzeitschriften hervorgebracht zu werden, während die meisten Publikationen bestehende Narrative wiederholen und verstärken. Die Entstehung neuer Narrative stellt daher ein bedeutendes Ereignis dar, das den Fokus wissenschaftlicher Forschung verschieben kann. Während Narrative häufig im Kontext von Romanen, Kurzgeschichten und Theaterstücken untersucht werden, gibt es nahezu keine Forschung zur Narratologie der Wissenschaft. So können wir beispielsweise fragen: Wie ist die Struktur erfolgreicher wissenschaftlicher Narrative beschaffen? Unter welchen Bedingungen können sich neue Narrative etablieren? Gibt es Forschungsthemen, die nicht verfolgt werden, weil sie keine guten Geschichten ergeben? Welche Beziehung besteht zwischen der Entstehung von Narrativen und der Entstehung neuer Forschungsfelder? Und wie verändern sich wissenschaftliche Narrative, wenn sie an die breite Öffentlichkeit kommuniziert werden?
Ein erstes Projektziel besteht darin, zentrale Narrative zu identifizieren und sowohl ihre Entwicklung zwischen wissenschaftlichen Publikationen als auch die narrativen Strukturen zu analysieren, mit denen sie innerhalb einzelner Beiträge vermittelt werden. Mittelfristig wollen wir ein tieferes Verständnis dafür gewinnen, wie dominante Narrative aktuelle Forschung prägen und wie wissenschaftliche Narrative sowohl innerhalb der Wissenschaft als auch gegenüber einer breiteren Öffentlichkeit dargestellt und kommuniziert werden.
Vollständige Stellenbeschreibung
Die Vorstellungsgespräche mit den in die engere Auswahl kommenden Kandidatinnen und Kandidaten sollen voraussichtlich am 15. September 2026 online stattfinden.
Qualifikationen
Wir suchen eine interdisziplinäre Forscherin bzw. einen interdisziplinären Forscher mit Erfahrung in den Literaturwissenschaften, den Sozialwissenschaften oder einem anderen einschlägigen Forschungsgebiet sowie mit Interesse am Verständnis wissenschaftlichen Schreibens.
Überblick über die Principal Investigators
Sina Farzin ist Professorin für Soziologische Theorie an der Universität Oldenburg. Sie ist Mitglied des Forschungsnetzwerks Fiction Meets Science. Ihre Forschung konzentriert sich auf Narrative in literarischen und wissenschaftlichen Texten sowie auf die Rolle fiktionaler Ressourcen in der Vermittlung wissenschaftlichen Wissens.
Thilo Gross ist Netzwerk- und Komplexitätswissenschaftler sowie Professor für Biodiversitätstheorie am HIFMB. Thilo prägte den Begriff der „adaptiven Netzwerke“, aus dem sich ein eigenständiges Forschungsfeld innerhalb der Netzwerkforschung entwickelt hat. Er ist Vizepräsident von NetSci, der internationalen Fachgesellschaft für Netzwerkforschung, sowie Senator der Universität Oldenburg..
Anton Kirchhofer ist Professor für Englische Literaturwissenschaft an der Universität Oldenburg. Seine Forschung beschäftigt sich mit Literatur in ihren vielfältigen diskursiven Kontexten. Er ist einer der Gründungsdirektoren der Forschungsgruppe Fiction Meets Science in Oldenburg und Bremen und hat umfangreich zu den Themen Wissenschaft und Narrativität publiziert, zuletzt unter anderem den von ihm mit herausgegebenen Band Science, Culture, and Postcolonial Narratives. (https://doi.org/10.17885/heiup.1126).